Kommt mit auf die Reise zum gesunden Rehehuf...

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Voegelchen
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Re: Kommt mit auf die Reise zum gesunden Rehehuf...

Beitrag von Voegelchen » Fr 28. Dez 2012, 11:16

saskia hat geschrieben:
Heike4 hat geschrieben: (Eigentlich wollte ich hier gar nichts zu schreiben - bin immer noch ein wenig gefrustet wegen den vorigen Fällen, wo man auch erst lange warten musste und im 2. Fall ging es nach dem Startposting überhaupt nicht weiter. Das sind dann nicht echt Komplettfälle, wo man erfährt wie's ausging. Aber gut, hier wissen wir ja nun zumindest von Anfang an, dass wir nicht in ein paar Tagen erfahren wie's weiterging und ausging. Trotzdem interessant, aber ich hätt mir gewünscht, dass so'n Fall mal als echter abgeschlossener Fall kommt (wie's beim Erstellen dieser Rubrik doch anscheinend beabsichtigt war?), denn bis wir erfahren, wie obiges Pferd gesund wurde, ist's für manche ähnliche Fälle vielleicht schon zu spät.)
Also wenn ich das richtig verstehe ist der Fall live! Sprich es gibt noch kein Ende, denn marina hat das Pferd erst einmal besucht.
Wir lernen und lernen und lernen ....

Neuigkeiten vom Krummbein hier: https://picasaweb.google.com/101126478638499918145

saskia
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Re: Kommt mit auf die Reise zum gesunden Rehehuf...

Beitrag von saskia » Fr 28. Dez 2012, 13:04

Sagte ich doch ;)
saskia hat geschrieben:... hier wissen wir ja nun zumindest von Anfang an, dass wir nicht in ein paar Tagen erfahren wie's weiterging und ausging. Trotzdem interessant, aber ich hätt mir gewünscht, dass so'n Fall mal als echter abgeschlossener Fall kommt (wie's beim Erstellen dieser Rubrik doch anscheinend beabsichtigt war?), denn bis wir erfahren, wie obiges Pferd gesund wurde, ist's für manche ähnliche Fälle vielleicht schon zu spät.)
Theorie ist, wenn man alles weiß und nichts klappt. Praxis ist, wenn alles klappt und keiner weiß warum. Oft sind Theorie und Praxis vereint: nichts klappt und und keiner weiß, warum.

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Re: Kommt mit auf die Reise zum gesunden Rehehuf...

Beitrag von SilentDee » Fr 28. Dez 2012, 15:51

Ja, das stimmt natürlich. :D Dieser Fall wird immer mal weiter gehen, und in einem Jahr oder so stellen wir das Anfangsfoto mal neben das dann Aktuelle. Ist aber auch gut zum Lernen, denn man kann mal mitdenken, wie würde man was bearbeiten, wie ist die Entwicklung usw.

Ich verspreche hoch und heilig, immer mal aktuelle Bilder und Beschreibungen reinzustellen.

Fertige Fälle kann ich ja trotzdem noch einstellen... hab ja gerade Urlaub. :D

Diana
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Re: Kommt mit auf die Reise zum gesunden Rehehuf...

Beitrag von Diana » Sa 29. Dez 2012, 20:11

Das ist eine super Idee, Silent dee. Danke, daß Du Dir die Mühe machst :D

Vorne rechts: war hier ebenfalls ein Abszeß? Der Kronsaum bei der schrägen Aufnahme sieht so aus, als ob da auch heftig was aufgebrochen war.
Der Huf ist ansich viel zu lang, die Wandüberstände begünstigen noch, daß der Hufbeinträger weiter geschädigt wird. Positiv: es ist was da zum kürzen..
Die Rillen verlaufen relativ parallell, also nicht divergierend, wie sont bei Rehe zu sehen.
Innerhalb der letzten 2-3 Monate hatte das Pferd sicherlich 2 Reheschübe, den Rillen nach zu urteilen.
Die Zehe schnabelt massiv, die Seitenwände hebeln.

Vorne links: der linke Vorderhuf scheint noch stärker betroffen zu sein und weist mehr Einschnürungen/ Rillen auf als der rechte. Der Huf ist ansich auch steiler. Da er noch unbequemer ist, wurde er evtl. noch weniger belastet? Und das seit geraumer Zeit...

Jetzt noch Vermutungen: der Strahl ist zwar schön breit und kann wieder 'gerichtet werden', aber vor allem vorne rechts erscheint er schon 'Rehetypisch'. Die Ballen 'flachen' beide ab; Das Strahlpolster hat sich meiner Meinung nach zurückentwickelt.
Es wäre interessant, wie sich der Kronsaum frontal anfühlt; das Hufbein erscheint eingesunken. Beim Fühlen könnte ich mir vorstellen, daß am Kronsaum im Zehenbereich 'was fehlt'.
Die Sohle erscheint im Zehenbereich sehr, sehr dünn. Bin mal gespannt auf Röntgenbilder..

xeide
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Re: Kommt mit auf die Reise zum gesunden Rehehuf...

Beitrag von xeide » Mi 2. Jan 2013, 19:46

Spannend spannend! Ich kann nichts dazu beitragen, da ich mich mit Rehe nicht auskenne und auch hoffentlich NIE das "Vergnügen" damit haben werde ... ich werde aber sehr interessiert mit lesen, da ichs super finde, hier anhand von Fotos und Profimeinungen das Auge zu schulen und zu überprüfen, ob ich irgendwas richtig bearbeitet hätte ...

Bin gespannt auf nachher-Fotos :)

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SilentDee
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Re: Kommt mit auf die Reise zum gesunden Rehehuf...

Beitrag von SilentDee » Do 3. Jan 2013, 17:59

OK, wie versprochen, es geht weiter im neuen Jahr mit den nachher-Fotos.

Was habe ich also gemacht?

Ich habe mir die komplette Krankengeschichte angehört.

Habe mir das Pferd angeschaut, ich gucke dabei heimlich immer sehr medizinisch, also auch Atmung usw., aber das erzähle ich nicht, nur sieht man daran z.B. auch Schmerzen usw... ;) Außerdem kann ich es eh nicht abschalten.
Pulsation an der Fesselkopfarterie wird bei ersten Hufe anschauen mitgefühlt.
Ich lasse mir das Pferd vorgehen und die Haltung zeigen. Das Pferd steht nachts auf dicker Späneschicht zu dem Zeitpunkt, auf eigene Kosten der Besi (Stall hat sonst Stroheinstreu) und hat für tagsüber von der Besi einen eigenen kleinen Sandpaddock gebaut bekommen, separiert von der eigentlichen Offenstallherde, denn Frost herrscht vor, und ein gefrorener Sandpaddock ist nicht gerade die sinnvolle Sache - also massig Magnesiumchlorid auf eigene Kosten hat die Besi untergearbetet, damit es ein weicher, tiefer nasser Sand bleibt und nicht gefriert. Also eigentlich top Bedingungen für die nahe Zukunft.

Das Pferd hat schon sehr viel abgespeckt seit dem Reheschub im April. Ich sehe kaum noch Fettzonen am Pferd. Nur minimal seitlich der Schweifrübe kann man erahnen, dass da mal eher typische Polster waren...
Die Röntgenbilder sind leider nicht da - die bringt die Besi be meinem nächsten Termin mit. Die Sohle ist noch druckdolent auf Zange. ich mache immer die Zangenprobe, vor allem bei solchen Hufen.
Ich erkläre der Besi, dass die Hufe gekürzt werden müssen, und zwar massiv, alle Hebel müssen weg. Der Strahlbereich und der Trachtenbereich sind von der Grundform sehr vielversprechend. Das werden bestimmt mal wieder schöne Barhufe, wenn die Ursache der Rehe für immer wirklich abgestellt wird.

Ich weise darauf hin, dass ich den echten Rehetrimm nur machen kann, wenn ich weiß, wo das Hufbein ist - ich brauche also die Röbis. Ich arbeite also aktuell nur das Minimum, zumal die Sohlenlederhautentzündung aktuell die höhere Problematik ist als ein weiterer Reheschub. Also bleibt der Huf noch ohne echten Rehetrimm, die Wand wird auf Sohlenniveau runter genommen, so gut es die Sohle zulässt, ausbalanciert und eine Trachtenfußung erreicht. Die Eckstreben werden definiert, und vorne wird die Zehen-Wand von 10 - 2 Uhr bis an die Weisse Linie rangetrimmt.

Aber es kann alles noch viel, viel mehr. Doch da die Besi etwas ängstlch wirkt, machen wir das in 2 Schritten.

Der Easyboot RX wird dagelassen, für den Notfall. Falls die Sohlenlederhaut diese extreme Bodennähe (auch hebelnde Wandüberstände nehmen ja die Sohle weg vom Boden... nun ist sie näher dran) noch nicht gut verträgt.

So sieht der huf nach dem ersten vorsichtigen Trimm aus:

vorne links:
Bild
Die Zehenregion schwebt schon wie beim Rehetrimm, aber eben in abgespeckter Variante... ;) Und ich habe die Wand von außen nicht bis in den Lamellen-Keil weggenommen, das wäre der Rehetrimm, den es nur nach Röbis gibt, ist ja klar, nicht wahr? Ich muss wissen, wie weit das Hufbein genau wo hin ist.

Bild
Bild
Ja, ich weiß, dies ist kein gutes Bild - ist nicht von vorne, aber mein Kameraakku war leer, und mein handy hat doch seine Linse sooo komisch seitlich... :cry:

vorne rechts:

Bild

Bild
Bild

Da ich meine, dass das Hufbein auch etwas schief steht, habe ich auf einer Seite die Eckstrebe mehr kurz genommen als an der anderen Hufseite. ich weiß nicht, ob man das erkennen kann.

Gefallen tut es mir so gar nicht gut. Hätte lieber gleich ratzeputz gemacht.

Aber die Besi war mit den Nerven mittlerweile so runter, und als ich ihr erzählt habe, dass die Rehe eben nie ausgeheilt war, sondern das Pferd nur gangbar gemacht wurde, und nun eben die Konsequenzen daraus für das Pferd leider eingetreten sind, brach für sie eine Welt zusammen.
Denn sie hat natürlich dem Tierarzt des Vertrauens geglaubt. Und alles, wirklich alles gemacht, was angeordnet wurde. Sogar 2 x am Tag Rivanolangüsse über mehrere Wochen usw.

Also, erst mal ganz vorsichtig, denn Überforderung mit Infos, weiteren Arbeitsaufgaben usw. lässt evtl. zu sehr verzweifeln.

Und ich möchte die Röbis sehen.

In 3 Wochen bin ich wieder da vom Zeitpunkt dieses ersten Trimms, dann wird mehr passieren an den Hufen. :mrgreen: Und mit der Sicherheit, dass die Lederhaut der Sohle das verträgt, und sich schon etwas an die Bodennähe gewöhnt hat. Da wird sich schon eine kleine Schwiele gebildet haben. Ist ja ein Hobby - Sohlenschwielen züchten! :lol:

LG

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Re: Kommt mit auf die Reise zum gesunden Rehehuf...

Beitrag von SilentDee » Do 3. Jan 2013, 18:01

Bitte löschen, war doppelt... :shock:
Zuletzt geändert von SilentDee am Do 31. Jan 2013, 03:22, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Kommt mit auf die Reise zum gesunden Rehehuf...

Beitrag von SilentDee » Do 3. Jan 2013, 18:09

Zwischenberichte der Besi:

2 Tage land stand und ging das Pferd supi zwischen Paddock und Box hin und her. Sie war begeistert.

Dann am 3. Tag hat sie vermehrt Pulsation fühlen können, vorher eigentlich gar nichts von ihr fühlbar gewesen, das Pferd stand und ging aber immer noch "normal".

Das Pferd stand nicht mehr auf weicher Späne, sondern doch wieder auf Stroheinstreu.

Ich meinte dann, Späne wäre schöner, denn Stroh fressen sie mit, es kann verschmmelt, verpilzt und/oder gespritzt sein, alles nicht gut für ein Rehepferd... Außerdem bohren sich Hufe meist durch das Stroh und stehen doch härter als gehofft auf dem Boden im Stroh.

Also meinte ich dann, zur Not mal die Krankenschuhe an, halbtags, damit die Sohle sicherheitshalber lieber weicher steht, aber solange der Puls nicht hämmernd und klopfend wird, der Huf nicht wärmer wird (Kühlen!) und das Pferd weiter "normal" steht udn geht, ist alles soweit sogut, denn der Huf ist sehr krank, und vermehrte Pulsation heisst ja auch vermehrte Durchblutung. Und evtl. Abflußschwierigkeiten. Dazu passt, dass die Sehnen minimal angelaufen sind an Fesselregion. Pferd hat ja auch wenig Bewegung. Lieber Krankenschuhe an und mal etwas Spazieren gehen am langen Strick, wie das Pferd mag. Aber nur mit weichen Schuhen.

Zwei Tage später war der PÜuls wieder besser...

Soweit bisher- ich habe noch eine Blutegeltherapie angeraten, denn die kleinen Egel bewirken echt Wunder. :D

Isch habe fertig. :lol: Jetzt dürft Ihr Euren Senf dazugeben.

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Re: Kommt mit auf die Reise zum gesunden Rehehuf...

Beitrag von Lesley » Do 3. Jan 2013, 18:57

SilentDee hat geschrieben: Aber die Besi war mit den Nerven mittlerweile so runter, und als ich ihr erzählt habe, dass die Rehe eben nie ausgeheilt war, sondern das Pferd nur gangbar gemacht wurde, und nun eben die Konsequenzen daraus für das Pferd leider eingetreten sind, brach für sie eine Welt zusammen.
Denn sie hat natürlich dem Tierarzt des Vertrauens geglaubt. Und alles, wirklich alles gemacht, was angeordnet wurde. Sogar 2 x am Tag Rivanolangüsse über mehrere Wochen usw.
Das ist echt schwierig als Pferdebesitzer.... Das glaubt man 'Fachleuten' und kriegt dann zu hören, dass quasi 'alles falsch' gelaufen ist. Echt traurig... :(
Was macht man als Besitzer, wenn man von Tierärzten so enttäuscht wurde und dann mal wieder einen Notfall am Pferd hat? Inwiefern kann man da noch Vertrauen aufbauen? :?
"Experience is the hardest kind of teacher. It gives you the test first and the lesson afterward." ~Oscar Wilde

„If you are not willing to learn, no one can help you.
If you are determined to learn, no one can stop you.“

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Re: Kommt mit auf die Reise zum gesunden Rehehuf...

Beitrag von Heike4 » Do 3. Jan 2013, 19:09

Ich find es sehr interessant wie du es beschreibst und finde hier dann auch bestätigt, was ich auch schon dachte, nämlich, dass ja geraten wird das Pferd in ein weiches Strohbett zu stellen, aber dabei nicht bedacht wird, dass Stroh doch deutlich härter als Sand oder Späne ist. Allein schon die Verdrängung durch das Pferdegewicht ist in Sand und Späne fürs Pferd positiver zu sehen. Stroh ist da nicht so nachgiebig.

Ich kann der Besitzerin gut nachfühlen und auch viele TÄe raten noch zu der Vorgehensweise wie hier. Danach jemandem zu vertrauen wird schwer, da muss man sich selbst bilden um beurteilen zu können...... So sind ja einige zu diesem Forum gekommen.
Geht nicht, gibt es nicht.

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