Welche Ausbilung?

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radieschen
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Re: Welche Ausbilung?

Beitrag von radieschen » So 26. Aug 2012, 20:42

ich denk mittlerweile, dass die Ausbildung an einer Schule/ einem Institut einem maximal die Basics vermitteln kann. Ganz ganz viel steht und fällt dann mit den Praktika: hat man Glück und darf viel mit anfassen oder lässt der Praktikumsmensch einen erstmal nur zugucken? Klar kann ich keinen totalen "Hufanfänger" auf mein Pferd oder die meiner Kunden loslassen, aber ich hab nun mehrfach gehör, dass Leute ihre Praktikumstage ableisten, sich die auch bestätigen lassen, aber bestenfalls mal hinterher rundraspeln durften. Da bringts dann gar nichts.

Man hat bei nem Institut vermutlich den Vorteil, erstmal an toten Hufen rumexperimentieren zu können und jemanden vor sich zu haben, der einem schritt für schritt sagt, was zu tun ist - hat man vorher shcon seine eigenen Pferde selbst bearbeitet, kann das aber auch etwas öde sein ;-)

Problem der Fortbildungen am eigenen Ausbildungsinstitut ist, dass meist nur das ohnehin schon vertretene vertieft und wiederholt wird. Im Prinzip kann man sich also bei Institut A ausbilden lassen und muss danach dann aber Fortbildungen an Schule B , C, und D besuchen, um den Tunnelblick zu vermeiden... und da muss ich dann den anderen hier zustimmen: da mag es im Endeffekt sinnvoller sein, gleich von Anfang an bei Bearbeitern unterschiedlicher Richtungen mitzureisen und sich von vornherein alles mögliche anzueignen - so verwirrend und widersprüchlich das am Anfang sein mag, vermutlich ergibt sihc dann mit der Zeit einfach eine Tendenz à la "die Variante scheint mir am logischsten und effektivsten, dann fahr ich jetzt noch bei drei anderen Hufmenschen dieser Richtung mit".

Nur eine Ausbildung zu durchlaufen und sich hinterher auf das Gelernte zu versteifen, das ist zum scheitern verurteilt. Dazu entwickelt sich grad alles zu schnell und ein "das hab ich aber schon immer so gemacht !!" - Hufmensch sollte man wohl besser nicht werden. AUsbildung durchlaufen, Praktika bei unterschiedlichen Leuten machen und hinterher weiter mit Kollegen austauschen - oder auch gemeinsam arbeiten gehen, das mach ich ein paar Mal im Jahr mit ner Kollegin: ist immer wieder aufschlussreich, wenn der andere einfach plötzlich ne Eingebung hat ("Hast du da schonmal xy probiert?") und auf einmal verschwindet das eigene Brett vorm Kopf :D

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Re: Welche Ausbilung?

Beitrag von Mascha » Di 28. Aug 2012, 13:24

Ich würde auch versuchen, bei verschiedenen Bearbeitern mitzufahren. Die meisten werden sicherlich gar kein Geld dafür haben wollen, sofern man eine nette Gesellschaft ist und beim Aufhalten zum Beispiel hilft. Natürlich kann man da keine vorbereitete Schulung erwarten, aber meiner Meinung nach vermitteln einem vorbereitete Schulungen zwar allgemeines Wissen, aber wenn man dann vor dem Einzelfall steht, schaut man doch wie ein Schwein ins Uhrwerk. Dem entsprechend denk ich, wenn man verschiedenen Leuten einfach mal bei der praktischen Arbeit über die Schulter schaut und womöglich mit dem ein oder anderen sogar noch etwas fachsimpeln kann, dann ist man nachher deutlich "alltagstauglicher" als jemand, der 2 Jahre hauptsächlich mit vorbereiteten Schulungssituationen konfrontiert war.
Viele Grüße, Mascha
Alles, was ich an Beurteilungen abgebe, basiert auf dem Material, das mir dafür zur Verfügung gestellt wurde. Natürlich müsste man für eine vollständige, seriöse Beurteilung der Hufe das Pferd live und in Bewegung sehen.

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Re: Welche Ausbilung?

Beitrag von Tic » Di 28. Aug 2012, 16:04

die Frage, die ich mir stelle ist: ob man bei der theoretischen "Schul"-Ausbildung zuwenig Praxis bekommt und gleichermaßen ob man beim praktischen mitarbeiten vor Ort vielleicht zu wenig theoretisches Wissen mitbekommt... von daher finde ich "Schul"bildung in Verbindung mit praktischer Mitarbeit eigentlich recht gut :)

Damit du deine offenen Frgaen in Richtung der Hufschule in deiner Nähe beantwortet bekommst, ruf doch einfach mal an, dann kannst du dir sicher direkt eine Meinung bilden.
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Re: Welche Ausbilung?

Beitrag von Silke & Abai » Di 28. Aug 2012, 21:45

Naja, wie viel theoretisches Wissen man sich aneignet liegt ja an einem selber. Es gibt das Internet und es gibt Bücher und andere Infos als die Schulen an Theorie vermitteln steht da auch nicht drin. Liegt also mehr an der Selbstdisziplin, wie viel man sich anliest. Und nur vom "Zuhören" in einer Schule hat man es auch noch nicht verinnerlicht. Also kommt man am "Lernen" eh nicht vorbei. Dann kann ich das Geld statt in die Schule vielleicht besser in gute Literatur stecken.
Viele Grüße

Silke

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Re: Welche Ausbilung?

Beitrag von Puschel » Mi 29. Aug 2012, 18:38

Jetzt scheint es ja doch eine rechte einheitliche Meinung zu geben:-)

Ich frage nächste Woche gleich mal bei meinem Schmied an, ob ich mal mitfahren darf und am Stall ist auch ncoh eine Hufpflegerin unterwegs, die ich frage kann. Ich denke mir jetzt, ich kann es ja erstmal langsam angehen lassen und für mich vor allem lernen, anstatt gleich soviel Geld zu investieren ohne zu wissen ob ich dauerhaft damit zu frieden sein werde. Das kann ich ja auch später immer noch machen.

LG
Katja
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Re: Welche Ausbilung?

Beitrag von Lucky Buck » So 2. Sep 2012, 10:53

Hallo Leute, schönen Sonntag!

...ich hab da jetzt mal eine eher prinzipelle Frage, weniger zu der "Schule"/"Lehrmeinung" nach der gearbeitet wird.

:arrow: ist es tatsächlich erlaubt ohne Prüfung (gleich welcher Art) Hufe zu bearbeiten? Ich meine keinen Beschlag, Bekleb o.ä., sondern ausschließlich jetzt mal das Bearbeiten. Meine ehem. Hufbearbeiterin legte nämlich immer sehr sehr viel Wert darauf, dass das eben nicht so ist. Es sei "das Bearbeiten der Hufe über das Maß der täglichen Pflege hinaus" rechtlich verboten, wenn man keine Prüfung abgelegt hat. Auch das, was man selber an den Hufen der eigenen Pferde macht - erst recht an den Hufen von Pferden die einem nicht gehören und schon gar nicht!!! gegen Entgeld.
Mir persönlich wäre es total egal, ob wer eine Prüfung hat - Hauptsache er leistet ordentliche Arbeit. Ist wie beim Trainerschein - ich tät heut keinen mehr machen und die Trainer, bei denen ich reite haben auch keinen (z.T.) und sind gute Lehrer und erfolgreich...

Danke für die Info!

Liebs Grüßle und ein schönes Rest-WE
Heike

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Re: Welche Ausbilung?

Beitrag von greenorest » So 2. Sep 2012, 11:40

Hallo,

hier ein Beitrag zum Thema, den ich vor einiger Zeit geschrieben habe:

damals, als das neue Hufbeschlagsgesetz verabschiedet wurde, habe ich von einem Mitarbeiter des Ministeriums die Aussage erhalten, dass sich das Hufbeschlagsgesetz nur auf die gewerbliche Ausübung von Hufpflege und Beschlag erstreckt. Der VFD erhielt die selbe Auskunft.

D.h.
Als Privatmensch darf ich also am eigenen Pferd ohne Qualifikation
-Barhufbearbeitung
-Hufschuhe anbringen
-Kleben
-Kunststoff nageln
-sogar Eisen nageln
solange ich nicht gegen das Tierschutzgesetz verstoße.

Ich darf darüber auch soviel schreiben, mit anderen reden oder Vorträge halten wie ich möchte.

"Unser" Amts-TA beispielsweise hat bei einer Routinekontrolle bei uns am Hof die Hufe gelobt und daraufhin erfahren, dass alle von den Besitzern selbst gemacht sind. Er hatte nichts einzuwenden.

Meines Wissens wurde noch niemand verklagt, weil er die Hufe der eigenen Pferde geraspelt oder beschlagen hat. Wenn ein "Selbstbearbeiter-Feind" hoffte, mit einer solche Klage Erfolg zu haben, wäre ein solcher Fall m.E. längt aufgetreten, gemessen daran wie viele Leute selbst Hufe bearbeiten, inkl. Beschlagen mit Eisen (z.B. im Isibereich üblich). Vergleicht man, in welchen gravierenden Fällen von extrem schlechter Pferdehaltung der Amts-TA nicht handeln kann, wäre das Verklagen eines Selbstbearbeiters, der ordentliche Hufe am gepflegten Pferd hinterlässt wirklich eine Farce.

Die rechtliche Situation im gewerblichen Bereich ist etwas schwieriger. Durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes und die folgende Änderung der Rechtslage kursieren viele irreführende Informationen.

Meine Interpretation der Lage:

Schritt 1) Das ursprüngliche Hufbeschlagsgesetz:
Hier sollte die Regelung festgehalten werden, dass jede Arbeit am Huf vom Raspeln bis zum Eisenbeschlag dem staatlich geprüften Hufschmied vorbehalten ist. Es gab eine Bestandschutzregelung für schon aktive Hufpfleger.

Schritt 2) Das Gesetz aus Entwurf 1 wurde vom Verfassungsgericht für nichtig erklärt und ist damit in allen Teilen, die "alternative Hufberufe" betreffen, nicht gültig.

Schritt 3) Es gab einen Auftrag an die Politik, das Hufbeschlagsgesetz zu überarbeiten und verfassungskonform zu gestalten. Allerdings ist hier seit 2009 nichts passiert.

Folgerung: In Bezug auf alternative Hufberufe gilt die alte Regelung weiter.

Eindeutig ist geregelt:
Der Eisenbeschlag (Eisen mit Nägeln befestigt) darf nur vom staatlich geprüften Hufschmied angebracht werden.

Alles andere ist nicht explizit geregelt. In diesem Freiraum entwickelten sich Schulen, die Barhufpfleger und Huftechniker ausbilden,
d.h. Leute die ohne formale Qualifikation zum staatlich geprüften Hufschmied
-Hufe raspeln
-Hufschuhe anbringen
-Kleben
-Kunststoff oder gar Alu nageln
Die Ausbildung an einer privaten Schule kann -da nicht staatlich anerkannt- rechtlich keine Auswirkung haben. D.h. ein Autodidakt sollte einem Absolvent einer privaten Schule gleichgestellt sein.

Dies ist seit Jahrzehnten so üblich und wurde bisher nicht gerichtlich unterbunden. Ich gehe daher zumindest von einer Duldung der bisherigen Praxis aus. Der Punkt, der noch am ehesten debattiert wird, ist das nageln, aber selbst dies ist üblich.


Fazit: Nach aktueller Rechtslage kann man auch bei gewerblicher Hufpflege tun und lassen was man möchte, solange man nicht mit Eisen beschlägt und sich ans Tierschutzgesetzt hält.

Beim Hufkurs ist die Lage noch eindeutiger als bei der gewerblichen Hufpflege:

Die Teilnehmer des Kurses bezahlen den Dozenten (nicht-staatlich geprüfter Hufschmied) für seine Lehrtätigkeit (erklären). Diese ist nicht reglementiert. Die Arbeit am Huf wird jedoch vom Teilnehmer selbst am eigenen Pferd ausgeführt. Daher gilt für die Hufkurse dies, was für die private Bearbeitung am eigenen Pferd gilt.

Dies kann sich ändern, sobald ein neues Hufbeschlagsgesetz beschlossen wird.

Nachsatz: Ich bin kein Jurist. Dies ist nur meine Interpretation der Lage.

Gruß Tina
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Re: Welche Ausbilung?

Beitrag von diala » So 2. Sep 2012, 12:00

Silke & Abai hat geschrieben:Und nur vom "Zuhören" in einer Schule hat man es auch noch nicht verinnerlicht. Also kommt man am "Lernen" eh nicht vorbei. Dann kann ich das Geld statt in die Schule vielleicht besser in gute Literatur stecken.
vom Zuhören nicht - aber immerhin muss man eine Prüfung ablegen dabei und (hoffentlich) beweisen, dass man die meisten Dinge begriffen hat und auch anwenden kann. So eine Prüfung als Zwang, sich eine Zeit lang intensivst mit der Materie zu befassen, ist schon noch nützlich, ob sie nun behördlich angeordnet oder von einem privaten Lehrmeister abgenommen wird. Wollte ich fremde Hufe machen, würde ich schon auch noch eine Ausbildung machen, obwohl ich ja doch schon fast alles weiss... :whistle: *hkhm*
Lucky Buck hat geschrieben: Es sei "das Bearbeiten der Hufe über das Maß der täglichen Pflege hinaus" rechtlich verboten, wenn man keine Prüfung abgelegt hat. Auch das, was man selber an den Hufen der eigenen Pferde macht
wenn man Sanis Beiträge liest, würde man sich das wünschen...

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Re: Welche Ausbilung?

Beitrag von greenorest » So 2. Sep 2012, 12:25

OT:

Ich glaube nicht, dass ein staatlicher Zwang, nur mit Prüfung an Pferdehufen zu arbeiten, eine gute Idee wäre. Meiner Meinung nach wäre eine ersatzlose Streichung des Hufbeschlagsgesetzes das Beste. Ich erwarte allerdings, dass der Gesetzgeber in ein paar Jahren beschließt, dass Hufpfleger irgendeine Prüfung machen müssen, wo sie dann einen Schein vorweisen können.

Begründung: Eine staatliche Prüfung als Hufschmied garantiert keine gute Arbeit am Huf. Wohl jeder kennt die haarsträubenden Beispiele aus dem eigenen Umfeld. Insbesondere gilt das für "Minimallösungen" die mehr oder minder zwangsläufig aus Verhandlungen vieler widerstrebender Interessen herauskommen.

Gruß Tina
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Re: Welche Ausbilung?

Beitrag von Lucky Buck » So 2. Sep 2012, 12:28

@ greenorest: Dankeschön! Also ich darf meine Hottis raspeln (mein Schmied hat da eh nix gegen, dass ich die Hufe auf dem Laufenden ;) halte, bis er wieder kommt) ohne dass mir einer was kann... Weißt, die Dame, die mir das erzählt hat, dass es anders ist, ist da ganz ganz arg... :roll:

@ diala: wegen deiner Bemerkung "wenn man Sanis Beiträge liest, würde man sich das wünschen..."... ja, kenne den Fred. Ja, ich denk da genau so.

GLG
Heike

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