Strahl atrophiert, Trachten zwanghaft - was tun?

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kelte
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Re: Strahl atrophiert, Trachten zwanghaft - was tun?

Beitrag von kelte » Mi 18. Okt 2017, 08:07

Servus!

Das Hufbein verlagert sich nicht, wenn man an der Balance arbeitet (Studie von der Leipziger Uni).
Die mittlere Strahlfurche kann durch Mehrbelastung allerdings schon etwas aufgehen und das ist gut so. Ebenso wird sich Zerfallshorn recht schnell von der Sohle lösen, wenn diese wieder mehr Tragarbeit bekommt. Vielleicht erscheint dir daher die Sohlenwölbung stärker.
Das dir der Huf längsovaler vorkommt liegt vermutlich daran, daß du die Auflagefläche der Trachten durch kürzen nach hinten verlagert hast. Man schleift sich ja an einer Schräge hinunter und dadurch wird der Huf hinten °länger°.

Grüße

Pacheidel
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Re: Strahl atrophiert, Trachten zwanghaft - was tun?

Beitrag von Pacheidel » Mi 18. Okt 2017, 18:15

Ah das ist interessant! Jetzt, da Du mich drauf hingewiesen hast, wird mir das auch klar. Das Hufbein ist ja fest mit den übrigen Strukturen verbunden, die Position im Huf ändert sich nicht.

Ich bin echt froh über Deine Erläuterungen, Kelte!

Das Laufverhalten und die Stellung machen mich aktuell noch nicht so richtig glücklich (er lahmt nicht, läuft aber nach wie vor klamm) ich hoffe das liegt "nur" daran, dass der mehr belastete Strahl ihm etwas weh tut und dass sich das alles verbessert, je mehr Druck der Strahl bekommt.

Heute war ich mit dem Huf optisch allerdings zufrieden, hab leider keine Fotos, aber an beiden Trachten hat sich keinerlei totes Sohlenhorn gebildet, was doch darauf hinweist, dass ich von den Trachten aktuell nicht mehr weg nehmen sollte. Bisher hat sich da immer in kürzester Zeit neues Krümelzeug gebildet. Bedeutet das dann nicht auch, dass die Trachten belastet und nicht geschont werden, wenn sich kein Krümelzeug bildet?

Liebe Grüße

kelte
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Re: Strahl atrophiert, Trachten zwanghaft - was tun?

Beitrag von kelte » Do 19. Okt 2017, 12:03

Servus!

Du musst dir das so vorstellen: Die Stellung des Hufbeines ist durch die darüber liegenden Sattelgelenke vor allem in seiner medio-lateralen Ausrichtung manifestiert. Versucht man nun an dieser°Vorgabe° etwas zu ändern, dann reagier zuerst die Hufkapsel mit Verwindung in sich (longitudinale Flexibilität). Die Grundschiefe bleibt (primäre Verstellung), aber man handelt sich weitere Probleme (Sekundärverstellungen) ein, die dann der Auslöser für neue Probleme bilden können.

°Krümelzeug° kann, muß aber nicht ein Zeichen für irgend Etwas sein. Das ist für die Trachtenhöhe/Belastung auch nicht maßgeblich. Einzig der Streßpunkt zeigt genau, was der HUF will (im Gegensatz zu menschlichen Vorstellungen).

Grüße

Jolly Jumper
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Re: Strahl atrophiert, Trachten zwanghaft - was tun?

Beitrag von Jolly Jumper » Do 19. Okt 2017, 13:27

........
Zuletzt geändert von Jolly Jumper am Mo 30. Jul 2018, 16:36, insgesamt 1-mal geändert.

tilly 67
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Re: Strahl atrophiert, Trachten zwanghaft - was tun?

Beitrag von tilly 67 » Mo 23. Okt 2017, 12:56

@ Kelte: "...Man schleift sich ja an einer Schräge hinunter..." Was meinst du mit der Schräge? Schrägst du die Trachten Richtung Trachtenecke nach hinten an? Wenn ja, warum? Ich bearbeite sie immer plan.
Ich lese hier mit, da ich meine Islandstute mit starken Zwanghufen und atrophierten Strählen auch auf Barhuf umgestellt habe. Da es im Sauerland bergig und damit viel bergab geht, bin ich an diesen Stellen noch nicht hundertprozentig mit der Belastbarkeit zufrieden. Die inneren Strukturen werden immer besser - Geduld ist mein bester Begleiter - das Zurücksetzen der Trachten kann ich nur dosiert durchführen, weil die mittlere Strahlfurche durch die Weitung der Trachten entsprechend einreißt und die inneren Strukturen stärker belastet werden - was für die Stute nicht zu unangenehm werden soll. Ich möchte ja, dass sie sich weiterhin gerne bewegt.

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Nupur
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Re: Strahl atrophiert, Trachten zwanghaft - was tun?

Beitrag von Nupur » Mo 23. Okt 2017, 19:34

tilly 67 hat geschrieben:das Zurücksetzen der Trachten kann ich nur dosiert durchführen, weil die mittlere Strahlfurche durch die Weitung der Trachten entsprechend einreißt und die inneren Strukturen stärker belastet werden - was für die Stute nicht zu unangenehm werden soll.
Das ist Quatsch. Je länger die Hufwände sind, desto mehr bewegt sich der Huf.

kelte
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Re: Strahl atrophiert, Trachten zwanghaft - was tun?

Beitrag von kelte » Di 24. Okt 2017, 07:45

Servus Tilly!

Nein, ich schleife die Trachten natürlich plan.
Die Trachten wachsen ja nach schräg vorne, kürzt man sie, dann wird der Auflagepunkt automatisch nach hinten verschoben.

Grüße

Pacheidel
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Re: Strahl atrophiert, Trachten zwanghaft - was tun?

Beitrag von Pacheidel » Sa 28. Okt 2017, 18:19

Hallo zusammen,

Danke für die Erläuterung, Kelte.

Jolly Jumper, ich denke Du hast Recht mit Deiner Aussage. Leider drehe ich mich nach wie vor im Kreis und sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht. Ich hatte zuvor einen klassischen Hufschmied, danach eine Huforthopädin und jetzt bin ich am Werk. Aber er läuft nach wie vor nur so lala...Also mache ich wohl immer noch irgendetwas falsch....

In den letzten Tagen habe ich täglich die Hufe kontrolliert, den Strahl desinfiziert und an den Stellen leicht geraspelt, an denen der Huf sich nicht selbst das Horn abgetragen hat. Mittwoch lief er dann freiwillig auf glattem Asphalt und sehr zügig und schwungvoll auf etwas weicherem Erdboben/Gras (schwierig zu beschreiben ;)) - da war ich natürlich überglücklich. Gestern kam ich dann wieder zum Stall und sehe ein dickes Bein vorne links rund um die Fessel, das Fesselgelenk und das Röhrbein entlang. Der äußere Ballen hat am Kronrand einen ca. 1,5cm langen Riss (horizontal) und der Ballen ist insgesamt weicher als der andere und deutlich schmerzhaft. Nachdem ich ihn gestern und heute auf Gras sowie Asphalt (sofern es ihm angenehm war) je ca eine Stunde geführt hatte, ist die Schwellung heute insgesamt deutlich weniger. Er lahmt zum Glück nicht, auch nicht im Trab. Beim Laufen stößt er auf weichem Boden allerdings häufig mit der Zehe in den Boden, auf Asphalt hat er gestern stark mit der Zehe über den Boden geschleift, heute lief er auf Asphalt klamm aber immerhin schleift die Zehe nicht mehr über den Asphalt. Immerhin läuft er gerne mit mir und ist aufgeweckt und motiviert.
Ich vermute, er hat sich am Ballen irgendwie verletzt. Bzw hoffe ich das...hoffe nicht, dass das die Strahlfäule verursacht hat....Wenn bis Montag das Bein nicht wieder in Ordnung ist, rufe ich natürlich den Tierarzt. Aber dass er die Trachten jetzt entlastet, ist natürlich nicht gerade förderlich.

Tja...Jetzt hab ich Euch unser Leid geklagt...Morgen mache ich nochmal neue Fotos. Mal sehen, was ihr dazu sagen werdet.

Verzweifelte Grüße

Hakon
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Re: Strahl atrophiert, Trachten zwanghaft - was tun?

Beitrag von Hakon » Sa 28. Okt 2017, 22:21

Was habt Ihr denn für Wege bei Euch? Und was für einen Boden habt Ihr im Stall und Auslauf? Wäre es nicht eine Option, die Hufe zeitweise durch Hufschuhe zu schützen? Läuft Dein Pferd denn komplett barhuf? Bei unseren Böden schaffen das auch die Pferde mit den besten Hufen nicht, ohne klamm zu laufen. Gerade, wenn Du jetzt daran bist, die Hufstellung zu verändern, wäre es sicher sinnvoll, die Hufe etwas zu schützen.

Pacheidel
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Re: Strahl atrophiert, Trachten zwanghaft - was tun?

Beitrag von Pacheidel » So 5. Nov 2017, 15:32

Hallo zusammen,

der Boden auf dem er hauptsächlich lebt ist leider wetterbedingt weich. Daran darf ich leider aktuell nichts ändern :roll:
Über Hufschuhe hab ich auch schon nachgedacht, aber da ich hier auch beim Ausreiten überall auf Grünstreifen ausweichen kann, sind die wohl nicht unbedingt notwendig, finde ich.

Ich habe jetzt allerdings auch endlich einen Fortschritt zu verbuchen: der Strahl verschwindet nicht mehr zusehends! Ich war ja monatelang fest davon überzeugt, dass der Strahl ausschließlich von Fäulnis befallen ist, da die Symptome nicht für Pilze sprachen. Allerdings habe ich vergangenen Montag doch mal ein Fungizid in der Apotheke geholt und es seitdem jeden Tag angewendet - so wie es aussieht mit Erfolg! Zumindest zerfällt der Strahl nicht weiter :)

Leider muss ich ab morgen vier Tage weg und kann danach erst die Behandlung weiter führen. Mal sehen, wie es sich entwickelt. Ich werde weiter berichten.

Viele Grüße

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