Trachtenlandung - plane Fußung - oder nicht?

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saskia
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Re: Trachtenlandung - plane Fußung - oder nicht?

Beitrag von saskia » So 22. Jun 2014, 11:02

kelte hat geschrieben:@ saskia

Trachtenlandung: Wenn der Huf mit der Trachte zuerst LANDET und in der Stützphase dann plan aufliegend das Gewicht trägt.
Trachtenfußung: Wenn der Huf auch in der Stützphase das ganze, oder den Großteil des Gewichtes trägt.

Grüße
Das ist doch genau die gleiche Definition?

Du meinst wahrscheinlich, dass bei Trachtenfussung "der Huf auch in der LANDEphase das ganze, oder den Großteil des Gewichtes trägt."

Da sieht man, wie verwechslungsanfällig die Begriffe sind. Gibt's da keine eindeutigeren (evtl englischen?) Begriffe dafür? Man kann die Begriffe natürlich per erklärungen gegeneinander abgrenzen, aber wenn man nur einen der beiden Begriffe in anderem Zusammenhang liest, könnten Huf-Laien ebenso wie ich damals denken, dass die Trachtenfussung die gewünschte Landung wäre. Als ich damals den Ausdruck "Trachten-Klappfussung" las, wurde mir dagegen sofort deutlich was gemeint war, und dass DAS nicht okay ist.

Edit :
Hm, ich denk ich hab mich auch falsch ausgedrückt. Also bei Trachtenfussung fängt die Trachte (nicht "der Huf") das ganze Gewicht auf, - bei Trachtenlandung nur einen Bruchteil und gibt den Rest des Gewichtes sofort an die anderen hufbereiche ab?
Theorie ist, wenn man alles weiß und nichts klappt. Praxis ist, wenn alles klappt und keiner weiß warum. Oft sind Theorie und Praxis vereint: nichts klappt und und keiner weiß, warum.

kelte
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Re: Trachtenlandung - plane Fußung - oder nicht?

Beitrag von kelte » Mo 23. Jun 2014, 13:44

Ich versuche es noch einmal!

Bei der Trachtenlandung fangen nur die Trachte (und der Strahl) die erste Aufprallenergie ab, erst in der Stützphase werden auch die anderen Hufteile belastet.
Bei der Trachtenfußung bleibt die Hauptlast auch in der Stützphase auf dem hinteren Hufbereich. Meist bei Pferden, die den Zehenbereich, warum auch immer, entlasten wollen (etwa Rehepferde).

Diese Definition ist übrigens nicht von mir, Ramey, Bowker, u.A. verwenden sie in dieser Weise.

Grüße

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Re: Trachtenlandung - plane Fußung - oder nicht?

Beitrag von Pferdefreund » Mo 23. Jun 2014, 15:12

da frage ich mich dann wieder wie relevant die Landephase wirklich ist. In der Natur laeuft ja kein Pferd ueber schnurgeraden Asphalt. Meine Pferde z.B. leben auf einer Sandduene, die eine Haelfte der Zeit geht es bergauf, die andere bergab. Sehr wenig meines Gelaendes ist eben. Beim Bergauf gehen ist Trachtenlandung unmoeglich, beim Heruntergehen so gut wie unvermeidlich. Im schwierigen Gelaende kann ich mir eine Trachtenlandung unangenehm vorstellen, da einfach nur ein ganz kleiner Teil des Hufes zunaechst Bodenkontakt hat.

Wieso sollten z.B. diese kaempfeden Hengste eine Trachtenlandung bevorzugen?

https://www.youtube.com/watch?v=tqvSKoh-zQw

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Re: Trachtenlandung - plane Fußung - oder nicht?

Beitrag von kelte » Mo 23. Jun 2014, 15:44

Servus!

Ich halte mich da einfach an Dr. R.Bowker, der in den letzten Jahren die Hufstrukturen erforscht hat und zu dem Schluß kam, daß die Trachtenlandung die optimalste Fußungsart darstellt.
Habe alle seine Untersuchungen gelesen und sie erscheinen mir sehr einleuchtend. Auch in meiner Arbeitspraxis habe ich nur durch Umstellung auf Trachtenlandung schon viele vormals aufgegebene Hufprobleme beseitigen können. Scheint also vieles richtig an den Aussagen von Bowker.

Grüße

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Re: Trachtenlandung - plane Fußung - oder nicht?

Beitrag von Laddie » Di 24. Jun 2014, 07:29

kelte hat geschrieben:Ich versuche es noch einmal!

Bei der Trachtenlandung fangen nur die Trachte (und der Strahl) die erste Aufprallenergie ab, erst in der Stützphase werden auch die anderen Hufteile belastet.
Bei der Trachtenfußung bleibt die Hauptlast auch in der Stützphase auf dem hinteren Hufbereich. Meist bei Pferden, die den Zehenbereich, warum auch immer, entlasten wollen (etwa Rehepferde).

Diese Definition ist übrigens nicht von mir, Ramey, Bowker, u.A. verwenden sie in dieser Weise.

Grüße
Ich war mal bei einem Kurs, der auf dem Gelände einer großen Offenstallanlage stattfand. Es gibt dort viel befestigte Flächen, und es war auffällig, wie relativ viele Barhufpferde dort eine ausgerägte Trachtenfußung zeigten. Die Hufe sahen meist ok aus, die Pferde gesund, aber offensichtlich versuchten die Pferde, ihre Zehenbereiche zu schonen.
Viele Grüße, Ariane

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Re: Trachtenlandung - plane Fußung - oder nicht?

Beitrag von Laddie » Di 24. Jun 2014, 07:37

kelte hat geschrieben:Servus!

Ich halte mich da einfach an Dr. R.Bowker, der in den letzten Jahren die Hufstrukturen erforscht hat und zu dem Schluß kam, daß die Trachtenlandung die optimalste Fußungsart darstellt.
Habe alle seine Untersuchungen gelesen und sie erscheinen mir sehr einleuchtend. Auch in meiner Arbeitspraxis habe ich nur durch Umstellung auf Trachtenlandung schon viele vormals aufgegebene Hufprobleme beseitigen können. Scheint also vieles richtig an den Aussagen von Bowker.

Grüße
So habe ich es bisher auch gemacht, weil mir die Bowker'schen Erkenntnisse einleuchten. Keltes Erfahrungen kann ich absolut bestätigen, z.B. beim Thema Trachtenzwang.

Für mich stellt es sich so dar, daß es sich nur auf das allgemeine Fußungsverhalten beziehen kann. Wenn der Untergrund, den z.B. Pferdefreund beschreibt, es nicht hergibt, dann ist das eben so. Ich denke aber, daß es auch ein Zeichen für eine dem Pferd passende Hufform ist, wenn es auf hartem, ebenen Untergrund nahezu plan - minimal Trachte landet.

Gibt es derartige Beobachtungen bei Pferden, die z.B.im Sumpf leben? Solche Pferde haben ja oft lange Hufe. Wie siehts denn da mit der Fußung/Landung aus?
Viele Grüße, Ariane

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Re: Trachtenlandung - plane Fußung - oder nicht?

Beitrag von Sigu-lind » Di 24. Jun 2014, 09:24

Glaube durch das einsinken im weichen Boden spielt dies keine Rolle. Durch das einsinken ändert sich die gesamte Bewegung. Beim einsinken sieht man ja wie die Beine durchgetreckt werden und teilweise wegrutschen. Sie nehmen ja auch die Beine höher im Sumpf.

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Re: Trachtenlandung - plane Fußung - oder nicht?

Beitrag von Laddie » Mi 2. Jul 2014, 15:18

Aus aktuellem Anlaß, heute bei Facebook gefunden:

http://www.dressur-studien.de/biomechan ... lance-aus/

Zitat:"Im Gegensatz zu den Hinterhufen, die tragen und schieben, haben die Vorderhufe ausschließlich eine stützende Funktion. So unterschiedlich wie die jeweilige Funktion ist auch das Auffußen von Hinter- und Vorderhufen: Die Hinterhufe sollten in einer Phase gerade auffußen. Der Vorderhuf hingegen braucht dazu drei Phasen: Die Trachten landen zuerst, dann die Fußung mit der Hufsohle und schließlich folgt das Abfußen mit der Zehe. Das kann man sich in etwa so vorstellen, wie ein Flugzeug, das landet und sofort wieder durchstartet. Dieses Auffußen und die drei Phasen sollten gleichmäßig sein. Manchmal ist das nicht der Fall, wie beispielsweise bei einer Rehe: Dem Pferd schmerzen die Zehen, dann tritt es vermehrt mit den Trachten auf: Ein sicheres Zeichen dafür, dass hier etwas nicht stimmt – mit weit reichenden Folgen."

Was heißt "gerade auffußen"?
Viele Grüße, Ariane

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Re: Trachtenlandung - plane Fußung - oder nicht?

Beitrag von Maxima » Mi 2. Jul 2014, 16:59

Na der Vergleich mit dem durchstartenden Flugzeug hinkt aber gewaltig - ein Flugzeug das über das Bugrad wieder abhebt ist ein Fall für die Nachrichten....
Liebe Grüße
Ulla

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