Strahlmilchtaschen - Ursachen und Behandlung

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ka.ori
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Re: Strahlmilchtaschen - Ursachen und Behandlung

Beitrag von ka.ori » So 19. Mär 2017, 13:08

Meine Halfingermixstute hat auch zum ersten mal Strahlmilchtaschen, ganz dick-weißlich. Sie läuft super barhuf, gerade etwas sehr abgelaufen, der Strahl war mir etwas zu überständig und die seitlichen Furchen waren gammelig. Pat hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass es evtl mit zu viel Druck auf dem Strahl in Zusammenhang steht....
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janaculum
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Re: Strahlmilchtaschen - Ursachen und Behandlung

Beitrag von janaculum » Mo 8. Jan 2018, 11:27

Moin zusammen,

ich wollte unsere Geschichte hier gern mit zum besten geben, weil es vielleicht hilft, etwas mehr über die Ursachen von Strahlmilchtaschen herauszufinden.
Kurz zu meinem Pferd: Friesenstute, geboren 2000, läuft und lief schon immer barhuf, bei korrekter Hufbearbeitung nie Probleme mit Fühligkeit oder ähnlichem, ist seit 2013 in meinem Besitz und im jetzigen Stall.
Zum ersten Mal aufgetreten sind vereinzelte Strahlmilchtaschen 2014. Da zu der Zeit das Hornwachstum auch nicht so gut war, ließ ich eine Mineralienbestimmung aus dem Blut machen. Der Zink-Wert war deutlich zu niedrig, der Kupfer-Wert zu hoch. Also Zink-Kur verabreicht und weg waren die Strahlmilchtaschen. Das Mineralfutter hatte ich dann umgestellt auf Lexa Derma-Mineral (viel Zink, günstigeres Zink-Kupfer-Verhältnis). Im Fellwechsel kam es ab und zu vor, dass Strahlmilchtaschen aufgetaucht sind, dann gab es wieder eine Zink-Kur (bzw. später dann auch schon vorsorglich im Fellwechsel) und wir hatten keine weiteren Probleme.
Im Winter 2016/2017 begannen Probleme mit Strahlfäule. Die mittlere Strahlfurche war betroffen, aber teilweise öffneten sich auch tiefe Löcher seitlich der großen Strahlfurchen, die dann sofort gammlig wurden. Ich habe die Hufe mit diversen Mittelchen und Mull-Tamponagen behandelt, aber wenn ich länger als zwei Tage nichts gemacht habe, war der Gammel wieder da. Die "normale" Strahlfäule habe ich bis zum Frühjahr in den Griff bekommen, aber die Strahlmilchtaschen und die dadurch entstehenden Gammel-Löcher blieben - trotz Zink-Kur. Im Sommer wurde es dann so schlimm, dass sich teilweise Tunnel von der mittleren Strahlfurche bis zum Ballen bildeten. :shock: Meine Tierärztin hatte es auf's Wetter geschoben, da das komplette Jahr hier im Norden extrem verregnet und die Böden alle nass waren. Anfang Herbst hatte sich die Hufsituation noch verschlechtert, mein Pferd hat mir aber auch insgesamt nicht gefallen. Zu fett, schlapp, antriebslos, viel Gepinkel. Daraufhin hat meine TÄ mir empfohlen, sie mal auf Cushing testen zu lassen - mit leider positivem Ergebnis. Seitdem bekommt sie 500 mg Prascend am Tag sowie 50 g Corticosal. Zwei Wochen nach Beginn der Medikation waren die Strahlmilchtaschen weg, trotz gleichbleibend schlechtem Wetters. Das war im Oktober.
Das Mineralfutter habe ich dann umgestellt auf Atcom ECS-vital, vornehmlich, weil es das auch in Pulverform gibt. Inzwischen weiß ich nämlich, dass meine Stute auch einen Mega-Ösophagus entwickelt hat und am besten nur noch Brei fressen sollte. Die Futterprobe des Mineralfutters hat sie verschlungen, seit November mag sie es aber gar nicht mehr. Auch kein anderes Mineralfutter. Ich versuche immer wieder, ihr etwas unterzujubeln, aber aufgrund ihrer Erkrankungen sind meine Möglichkeiten da begrenzt und sie war vorher schon immer extrem mäkelig. Seit sie das Prascend bekommt, scheint das immer schlimmer zu werden.
Jedenfalls haben wir seit Dezember wieder Strahlmilchtaschen, diesmal zum ersten Mal auch an den Hinterhufen, wenn auch nicht in dem Ausmaß wie vorn. In Kombination mit dem nach wie vor grässlich nassem Wetter ist das natürlich alles andere als toll.

Ob das Wiederauftreten der Strahlmilchtaschen jetzt mit dem Cushing zusammenhängt oder mit einem Zink- oder anderem Mineralienmangel, kann ich nicht sagen. Andererseits sagt man Cushing-Pferden einen erhöhten Zink-Bedarf nach, und vielleicht neigen Cushing-Pferde einfach deshalb zu Strahlmilchtaschen. Meine Hufbearbeiterin hat mir jedenfalls erzählt, dass sich in ihrem Kundenkreis Cushing sehr häufig zuerst an den Hufen bemerkbar macht: entweder in Form von Rehe oder eben Strahlmilchtaschen und Strahlfäule.
Dass Friesen und Tinker zu Strahlmilchtaschen zu neigen scheinen, würde auch zur Zink-Theorie passen, denn diese "felligen" Rassen scheinen einen höheren Zink-Bedarf zu haben (was ja auch irgendwie Sinn macht).
Druck auf den Strahl würde ich als Ursache fast ausschließen, denn auf hartem Boden läuft mein Pferd schon seit Monaten quasi gar nicht. Mal ein paar Meter Asphalt, wenn wir ausreiten, aber sonst steht und läuft sie nur auf Matsch oder dem Reitplatz-Sand. Wüsste nicht, wo da Druck herkommen sollte.

Nachdem Stuti in den letzten Monaten deutlich abgespeckt hat, kann ich jetzt wieder etwas schärfere Geschütze beim Verstecken des Mineralfutters auffahren und hoffe, auf diese Weise das Zeug wieder in sie hinein zu bekommen. Ich muss dabei aber sehr vorsichtig sein, denn ich kann nicht riskieren, dass sie ihre anderen Medikamente nicht frisst, nur weil ein bisschen Mineralfutter in ihrem Brei ist.

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myriell
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Re: Strahlmilchtaschen - Ursachen und Behandlung

Beitrag von myriell » Mo 8. Jan 2018, 12:48

Bei meinem Pony sind die Strahlmilchtaschen bis heute unverändert. Mal mehr, mal weniger.. ich finde sie lästig, Pony scheinen sie nicht zu stören. Hab mich damit längst abgefunden ;).

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Re: Strahlmilchtaschen - Ursachen und Behandlung

Beitrag von Mascha » Mo 8. Jan 2018, 14:06

Mein Pony mit Cushing hatte noch nie eine Strahlmilchtasche. Meine Arabertante hatte in jungen Jahren sehr oft welche, in den letzten Jahren kaum mehr. Woran es genau liegt, dass sie weggegangen sind, bin ich mit nicht sicher. Ich bilde mir ein, dass sie weggegangen sind, als ich angefangen habe, immer mal wieder kurweise neben dem normalen Mineralfutter Mangan zuzufüttern. Dadurch sind auch ihre Haut- und Fellprobleme verschwunden.
Viele Grüße, Mascha
Alles, was ich an Beurteilungen abgebe, basiert auf dem Material, das mir dafür zur Verfügung gestellt wurde. Natürlich müsste man für eine vollständige, seriöse Beurteilung der Hufe das Pferd live und in Bewegung sehen.

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Re: Strahlmilchtaschen - Ursachen und Behandlung

Beitrag von Ursula » Mo 8. Jan 2018, 17:41

Strahlmilchtaschen wegen Cushing? Mein Isländer hat seit 1 1/2 Jahren Cushing diagnostiziert. Er hatte grad noch eine Hufrehe gemacht, aber keine Schmerzen angezeigt. Er kriegt 1/2 Tabl. Prascend und ca 40gr. Corticosal. Keine Probleme mehr mit Hufrehe. Und Strahlmilchtaschen hatte er nie.

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Re: Strahlmilchtaschen - Ursachen und Behandlung

Beitrag von Sabine » Di 9. Jan 2018, 10:51

ich klinke mich mal ein.

Normaler Weise mache ich die Hufe meiner Pferde selber. Ich hatte dieses Jahr jedoch aus gg. Anlass (Zeitmangel) eine Weile einen Hufmenschen an meinen Pferden. Der eine wurde kpl. vom Hufmenschen bearbeitet, beim zweiten Pferd habe ich die Hufe selber gemacht, allerdings war der Hufmensch auch an diesem Pferd ca. 3-4 x zu Gange. Im Laufe der Zeit stellte sich heraus, dass der Hufmensch Biernath-Jünger ist. BEIDE (!) Pferde haben unter seiner Bearbeitung unter anderem Strahlmilchtaschen entwickelt. Und zwar massiv und nicht nur auf einem Huf.

Seit Mitte Oktober bearbeite ich die Hufe beider Pferde wieder zu 100% selber. Die Strahlmilchtaschen sind inzwischen wieder komplett weg. Haltung, Fütterung etc.pp. ist gleichbleibend.

Für mich steht gesichert fest: ursächlich war bei meinen Pferden die Hufbearbeitung verantwortlich!

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Re: Strahlmilchtaschen - Ursachen und Behandlung

Beitrag von janaculum » Di 9. Jan 2018, 11:24

Das ist ja mal spannend. Bei uns kam das erstmalige Auftauchen der Strahlmilchtaschen auch nach ein paar Bearbeitungsintervallen bei einem neuen Hufschmied. Inzwischen hat dieser leider aus gesundheitlichen Gründen aufgehört und ich habe seit 2016 eine Bearbeiterin, die die Barhufbearbeitung aber genau bei dem gelernt hat. Bezüglich der Bearbeitung des Strahls unterscheiden sie sich aber. Er hat den Strahl immer "glatt" gemacht und die mittlere Strahlfurche geöffnet, sie ist da sehr minimalistisch und schneidet nur, wenn wirklich irgendwas gammelt.
Die beiden waren bzw. sind aber die einzigen, bei denen meine Stute nach der Bearbeitung keine Längsrisse in den Hufen entwickelt hat. :shifty:

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Re: Strahlmilchtaschen - Ursachen und Behandlung

Beitrag von Sabine » Di 9. Jan 2018, 15:26

@janaculum: ich bin nicht sicher, ob sich Strahlmilchtaschen ausschließlich durch (falsche?) Bearbeitung des Strahles entwickeln oder ob möglicher Weise einfach nur eine generell "mangelhafte" / "falsche" Hufbearbeitung ursächlich verantwortlich ist? Ähnlich wie bei Strahlfäule, die, vorausgesetzt, die hygienischen Bedingungen im Stall, auf Auslauf und Weide sind tip-top, ebenso wie die Nährstoffversorgung, oft aufgrund falscher Hufbearbeitung und als Folge daraus im Huf entstandene Dysbalancen verursacht wird. Meine beiden hatten zusätzlich zu den Strahlmilchtaschen im übrigen auch Strahlfäule; diese ist inzwischen ebenfalls weg. Der Hufmensch hat die Strähle immer pieko-bello ausgeschnitten, was ich z.B. nicht tue!? Aber meine gesamte Bearbeitung richtet sich nach den Richtlinien des NHC - im Gegensatz zu der Biernath-Methode, die dieser Herr anwendete.

andere Idee: das Muli einer Einstellerin bekam schlimme Strahlmilchtaschen und Strahlfäule aufgrund zu hoher Dosierung eines für dieses Tier generell ungeeigneten Mineralfutters (Magnolyte S100 in der Dosierung, die für ein Sportpferd gedacht ist) :roll:

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Re: Strahlmilchtaschen - Ursachen und Behandlung

Beitrag von janaculum » Di 9. Jan 2018, 16:38

Vielleicht sind es ja mehrere Faktoren (Bearbeitung, Mineralien, Stoffwechselprobleme), die sich addieren und erst beim Überschreiten einer "Grenze" zu Strahlmilchtaschen führen. :think:

Sabine
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Re: Strahlmilchtaschen - Ursachen und Behandlung

Beitrag von Sabine » Mi 10. Jan 2018, 16:28

schließe ich aus. In meinem Fall zumindest. Wie gesagt, Fütterung, Haltung etc.pp. alles gleich geblieben. Problem relativ schnell in den Griff bekommen, seitdem ich die Hufe wieder kpl. selber bearbeite. Und ich kenne, wie schon erwähnt, Fälle, da gab es massive Strahlfäule NUR wegen falscher Fütterung (im o.g. Fall MiFu). Diese war nach Absetzen des MiFus, aber ansonsten gleichbleibenden Faktoren sofort weg.

Aber natürlich, manchmal können auch verschiedenen Faktoren ursächlich verantwortlich sein. Und manchmal ist es vll nur das berühmte "Tüpfelchen auf dem i", welches das Fass zum Überlaufen bringt.

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