Was kann das sein? Huferkrankung ohne Diagnose.

Alles was den Huf gesund erhält bzw. Hufkrankheiten
Antworten
Samtnase
Beiträge: 92
Registriert: Fr 14. Mär 2014, 14:40
Einzugsgebiet: Rhein-Sieg-Kreis
Service: Hufpflegerin in Ausbildung

Was kann das sein? Huferkrankung ohne Diagnose.

Beitrag von Samtnase » Mo 30. Mai 2016, 12:40

Hallo!

Das Pferd einer Freundin hat nun schon seit August extreme Probleme mit dem rechten Vorderhuf. Kein hinzugerufener Experte (TA/ HO/ THP) konnte bisher wirklich helfen. Auch wurde von Homöopathie bis Antibiotikum/ Entzündungshemmern etc. schon alles probiert; Futterumstellung inklusive. Der Huf wird nicht besser.

Beim Pferd handelt es sich um einen 22 jährigen Araber-Wallach. Er steht tags auf Weide/ Winterpadock, nachts in der Box. Bewegt wurde er täglich und hatte stets eine gute, trainierte Figur. Der Stoffwechsel zeigte keine Auffälligkeiten. Alle gemachten Blutbilder wiesen lediglich erhöhte Entzündungswerte auf.

Inzwischen lässt der Hufzustand keine Bewegung mehr zu. Er wird nicht mehr geritten oder spazieren geführt, kann sich aber tags auf der Koppel bewegen. Da er der ranghöchste ist, wird der nicht getrieben.

Hier ein paar Bilder vom betroffenen Huf, dazu folgt gleich eine Beschreibung des Krankheits-Verlaufs.

Bild

Bild

Bild

Samtnase
Beiträge: 92
Registriert: Fr 14. Mär 2014, 14:40
Einzugsgebiet: Rhein-Sieg-Kreis
Service: Hufpflegerin in Ausbildung

Re: Was kann das sein? Huferkrankung ohne Diagnose.

Beitrag von Samtnase » Mo 30. Mai 2016, 12:58

So, zum Verlauf.


Im August 2015 traten an dem entsprechenden Vorderbein Probleme auf.

Der Huf sah zunächst unauffällig aus, allerdings tauchten am Bein und in der Fesselbeuge maukeähnliche Krusten auf. Das Bein war leicht geschwollen und heiß. Das Pferd lahmte leicht. Diagnose des Tierarztes lautete Gras-Milben. Der Wallach durfte seitdem für den Rest des Jahres nicht mehr auf die Koppel, es folgten Waschungen, Verbände und weil alles nichts half auch Antibiotika- und Entzündungshemmergaben.

Leider half dies alles nichts, also kam eine Tierheilpraktikerin hinzu. Das Futter wurde umgestellt, Kraftfutter und Mash gestrichen. Dazu wurde homöopathisch behandelt und weiter gewaschen/ gesalbt.

Die Krusten verschwanden zum Herbst hin zwar, aber das Bein blieb weiterhin sichtbar entzündet und schmerzempfindlich. Das Hufmaterial begann sich massiv zu verschlechtern. Am Kronsaum entstanden Risse, es wurde kein richtiges Horn mehr gebildet. Alles unterhalb des Kronsaums war weich, rissig und schmerzempfindlich. Das hat sich inzwischen jedoch etwas gebessert.

Zu guter Letzt brach vor gut drei Monaten, also ca. im März, eine richtige Beule am Ballen auf. Diese sieht man auch auf den Fotos. Das umliegende Horn wurde inzwischen von der HO entfernt und alles bestmöglich sauber geschnitten. Dazu wird regelmäßig desinfiziert, verbunden etc. Aber es tritt KEINE Besserung ein. Gerade ist das Bein wieder sehr heiß, der Ballen extrem druckempfindlich, auch nässt täglich Eiter aus dem geschwollene Ballen heraus. Das Pferd geht im Trab deutlich lahm.

Nun steht unterschiedliches im Raum. Von Milben/ Mauke, über Kronsaumentzündung bis hin zu Hufkrebs. Aber niemand ist sich wirklich sicher und will sich festlegen und keine Behandlung schlägt an.

Habt Ihr schon einmal sowas gesehen bzw. solch einen Verlauf beobachtet?

Benutzeravatar
Annette
Beiträge: 843
Registriert: Fr 23. Mär 2012, 14:32
Service: Vermessungsingenieur, Freizeitreiter, Selbstraspler an 2 eigenen Ponies
Wohnort: Nds.

Re: Was kann das sein? Huferkrankung ohne Diagnose.

Beitrag von Annette » Mo 30. Mai 2016, 13:41

Wurde es geröntgt?
Annette

Samtnase
Beiträge: 92
Registriert: Fr 14. Mär 2014, 14:40
Einzugsgebiet: Rhein-Sieg-Kreis
Service: Hufpflegerin in Ausbildung

Re: Was kann das sein? Huferkrankung ohne Diagnose.

Beitrag von Samtnase » Mo 30. Mai 2016, 13:43

Nein, das hielt bisher wohl keiner der Behandler für nötig. :?

Benutzeravatar
mochuisle
Beiträge: 54
Registriert: Mi 10. Okt 2012, 19:19

Re: Was kann das sein? Huferkrankung ohne Diagnose.

Beitrag von mochuisle » Mo 30. Mai 2016, 13:56

Da offensichtlich Bakterien am Krankheitsgeschehen beteiligt sind: Wurde eine bakteriologische Untersuchung mit Resistenztest gemacht?

Samtnase
Beiträge: 92
Registriert: Fr 14. Mär 2014, 14:40
Einzugsgebiet: Rhein-Sieg-Kreis
Service: Hufpflegerin in Ausbildung

Re: Was kann das sein? Huferkrankung ohne Diagnose.

Beitrag von Samtnase » Mo 30. Mai 2016, 14:01

Ich kann nicht alles direkt beantworten, aber ich werde nachfragen.

Mochuisle, meinst Du ein Antibiogramm, also einen Abstrich?

Morgen kommt wohl der TA vorbei, weil das Bein am Wochenende wieder sehr heiß war. Dann könnte meine Freundin ja mal konkret diese Idee platzieren, falls es noch nicht gemacht wurde, was ich fast befürchte.

Benutzeravatar
mochuisle
Beiträge: 54
Registriert: Mi 10. Okt 2012, 19:19

Re: Was kann das sein? Huferkrankung ohne Diagnose.

Beitrag von mochuisle » Mo 30. Mai 2016, 14:38

Ja, genau :)

kelte
Beiträge: 1276
Registriert: Mi 13. Mär 2013, 19:24
Einzugsgebiet: Wien, Nö
Service: individuelle Beurteilung und balancierte Bearbeitung, Umstellungen
Beklebe
Einzelschulung und Kurse
Hufschuhberatung
TENS, EMS
McMaster Eizählung
Wohnort: westlich von Wien

Re: Was kann das sein? Huferkrankung ohne Diagnose.

Beitrag von kelte » Mo 30. Mai 2016, 17:33

Servus!

Selenvergiftung kann Kronrandentzündungen hervorrufen. Wurde der Selenstatus im Blutbild berücksichtigt?

Grüße

Samtnase
Beiträge: 92
Registriert: Fr 14. Mär 2014, 14:40
Einzugsgebiet: Rhein-Sieg-Kreis
Service: Hufpflegerin in Ausbildung

Re: Was kann das sein? Huferkrankung ohne Diagnose.

Beitrag von Samtnase » Mo 30. Mai 2016, 17:43

Hallo Kelte!
Danke!
Ja, das wurde explizit getestet, war aber in allen Blutbildern im grünen Bereich. Und das Mineralfutter, welches einen recht hohen Selengehalt hatte, wurde auch vor ein paar Monaten sicherheitshalber abgesetzt. Seinerzeit kam genau dieser Gedanke auf.

Das Antibiogramm spricht meine Freundin morgen beim TA an.

chiron
Beiträge: 107
Registriert: Do 6. Aug 2015, 13:43
Einzugsgebiet: LK Heidelberg, Odenwald / Bergstrasse sowie Ruhrgebiet
Service: Alles, was Pferden zu gesünderen Barhufen verhilft
kommerzielle Hufbearbeitung, Hufberatung, Aufbau von Hufwissen und -können beim Besitzer, Unterstützung des Besitzers auch bei schweren Huferkrankungen des Pferdes, Positionsfindung mit Co-Behandlern, einfach mal eine ehrliche und nicht-kommerzielle Meinung

Re: Was kann das sein? Huferkrankung ohne Diagnose.

Beitrag von chiron » Mo 30. Mai 2016, 18:19

Hallo Samtnase,

ich würde nicht unbedingt ein bakterielles Geschehen sehen, ggf. sind das auch bakterielle Sekundärinfektionen, die auf einen hornmazerienden Pilz aufgesetzt haben. Das Bild erinnert mich sehr stark an den Huf eines meiner Pferde, der stark von einem nicht näher bestimmten Pilz befallen war (Komplettresektion der Zehenwand war notwendig) - gerade die schwarzen Flächen auf dem Horn ähneln dem sehr. Ich habe mit einer hautverträglichen, aber auf breiter Basis gegen Pilze, Bakterien und Viren wirksamen Mischung ätherischer Öle therapiert. Auch eine atypische verlaufende Virusinfektion oder eine Entgiftungsreaktion würde ich nicht ausschließen und abklären lassen.

Bitte auch mal ein Foto von der Sohle sowie Bilder des anderen Vorderhufes (auch wenn dieser nicht betroffen scheint).

Gruß,

Chiron

Antworten